Ätna

Wir bleiben länger als gedacht in Venetico Marina. Einen Tag verbringen wir mit einem Ausflug mit dem Rad nach Milazzo. Zwei Menschen auf Rädern mit Alltagsausstattung und Hundeanhänger scheinen kein alltäglicher Anblick zu sein, den verwunderten, entgeisterten oder amüsierten Gesichtsausdrücken der Menschen in entgegenkommenden Fahrzeugen nach zu urteilen. Die Tage gehen geruhsam ins Land, wir kaufen Gemüse und Obst an kleinen Ständen am Straßenrand, kochen uns leckeres Essen, trinken Kaffee und futtern Dolci bis zum abwinken.
Am 05.12.19 fahren wir weiter, nächster Stop ist in Taormina. Eine Pizzeria in Freiburg ist nach der Stadt benannt, die leckere Pizza macht. Leider ist die Stadt völlig überladen mit Läden, die billige Souveniers aus Plastik an Touristen verhökern wollen, und das alte Amphitheater, das es zu besichtigen gibt, kostet 12 € Eintritt(!). Also besichtigen wir nur den Stadtgarten, der sich allerdings als sehr hübsch herausstellt, und fahren dann weiter an den Fuß des Ätna, um am nächsten Tag dort wandern zu gehen.
Wir stellen uns an den Straßenrand gegenüber einer öffentlichen Wasserstelle, an der das ganze Dorf seine Trinkwasservorräte zu beziehen scheint. Im fünf-Minuten-Takt halten Autos.
Am folgenden Morgen brechen wir mit den Rädern auf, um die zu gehende Strecke etwas zu verkürzen. Die Räder lassen wir an einem Baum am Straßenrand zurück, als der Weg zu steil zu werden beginnt. Ab hier führt uns ein Weg durch einen wunderschönen Wald, der von vulkanischen Gesteinsbrocken durchzogen ist, mit kleinen steinernen Mäuerchen unterteilt ist und von frei umherstreifenden Schweinen in allen Formen und Farben bewohnt wird. Hörbar schnüffelnd nehmen sie uns wahr, schauen uns kurz still an und laufen dann in der Gruppe durch den Wald davon. Bestimmt 30 Schweine sehen wir unterwegs. An einer Schutzhütte, die eigentlich unser Zielpunkt sein sollte, treffen wir auf einen jungen Mann, der erzählt, er sei aus der Gegend, wohne aber jetzt in der Schweiz. Er sagt uns, dass sich in einer halben Stunde bergauf ein kaltes Lavafeld befindet. Dorthin gehen wir nach erfolgtem verspeisen von Brot, Käse und eingelegten gegrillten Paprika. Es ist wirklich beeindruckend, meterhoch ist die kalte Lava aufgeschichtet, und bildet eine einzigartige Struktur aus Gräben und Hügelchen. Das Gestein ist schwarz, porös und erstreckt sich scheinbar kilometerweit. Nichts wächst hier oder regt sich, es herrscht absolute Stille. Während die untergehende Sonne das Herbstlaub an den Bäumen zum leuchten bringt, gehen wir bergab.
Ina klagt über Knieschmerzen, und dann erleben wir eine unangenehme Überraschung: Unsere Fahrräder sind weg. Nach dreifacher Prüfung, ob wir nicht an der falschen Stelle suchen, steht es fest: Wir sind beklaut worden. An einer Piste, die am Tag von vielleicht fünf Fahrzeugen befahren wird. Völlig konsterniert gehen wir zum Auto zurück und steuern die nächste Polizeiwache an. Die hat aber schon Dienstschluss, und da es vermutlich sowieso zwecklos ist, geklaute Fahrräder zu melden, wünschen wir dem Dieb, er möge Juckreiz an Stellen kriegen, an denen er nicht kratzen kann, und fahren weiter.

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