Nach dem Schock ob der geklauten Räder wollen wir wieder weg vom Ätna ans Meer und ins Warme. Wir fahren über die Autobahn nach Brucoli, südlich von Catania. Hier erhoffen wir uns einen Stellplatz, der im Internet von anderen CampingbusnutzerInnen hoch gelobt wird, leider stellt sich vor Ort heraus, dass er mit einer Kette und durch Abladen von Bauschutt unbrauchbar gemacht worden ist. Wir parken in der Nähe an einem kleinen, malerischen Hafen. Direkt spricht mich ein Wächter an, ob wir hier übernachten wollen, er spricht kaum Englisch und ich verstehe nicht, was er mitteilen will. Ich winke Ina aus dem Fahrerhäuschen. Kaum steht sie dabei, entspannt sich der Mann und bedeutet uns, dass wir an der Stelle stehen bleiben können. Am nächsten morgen herrscht rege Aktivität im Hafen, bestimmt 30-40 Mann sind im Einsatz, Gabelstapler piepen beim Rückwärtsfahren, Autos werden ein- und ausgeparkt. Wir gehen durch das kleine Städtchen und trinken ein Bier in einer kleinen Bar, die scheinbar die ganze Ortschaft mit vorgekochtem Essen versorgt. Am den anderen Tischen sitzt eine Gruppe junger Frauen, die erste die wir wahrnehmen, sonst sind Frauen nur in Begleitung ihrer Männer in Bars zu sehen. (Erklärung für nicht-Italienreisende: Eine Bar ist in Italien anders als in Deutschland schon morgens geöffnet, es gibt Kaffee und Frühstück, aber auch alkoholische Getränke.) An einem anderen Tisch sitzt ein echter Vorzeige-Brite, der schon Mittags Whisky trinkt, sich mit seiner Begleiterin unterhält und Kette raucht. Wir gehen am Meer entlang, bis wir einen älteren Franzosen auf einem Klappstuhl vor seinem riesigen Wohnmobil sitzen sehen, der mich sofort in ein Gespräch verwickelt. Er lädt uns ein, neben ihm zu parken, er komme schon seit elf Jahren nach Sizilien, er kenne alle, er könne uns Adressen geben, Stellplätze empfehlen. Er heißt Jean-Marie und ist pensionierter KFZ-Mechaniker. Wir entschließen uns, dorthin umzuparken. Am nächsten Tag gehen wir am Meer entlang, die Küste ist mit vor allem leer stehenden, eher wie Feriendomizile wirkenden Gebäuden verbaut, nur ein kleiner Streifen Strand bleibt uns, um uns an ihnen vorbeizudrücken. Danach schlafen wir schon Nachmittags ein.
Am folgenden Tag hat Ina Geburtstag, und weil ein Geburtstagskuchen nicht fehlen darf, gibt es zum Frühstück Pfannkuchen mit Erdnussbutter, Nutella und Banane. Und zum Abendessen holen wir uns Pizza und Bier und schauen, im Bett eingekuschelt, einen Film. Runde Sache.
Weil wir uns Fahrräder besorgen wollen, fahren wir nach Catania. Unser Schlafplatz ist der Parkplatz des Porta Catania, ein elefantöses Einkaufszentrum mit 150 Geschäften. Von Weihnachtsliedern aus den Lautsprechern beschallt und umströmt von den Menschen, die sich dem Weihnachteinkauf hingeben wundern wir uns, wie sich hier jemand aufhalten kann, ohne es ironisch zu meinen. Wir rüsten uns mit Abendessen im Iperstore aus, kochen zu Abend und lassen uns dann sanft von den über uns startenden Jets vom nahe gelegenen Flughafen in den Schlaf dröhnen.
Zwei der von uns kontaktierten Menschen beim italienischen Äquivalent zu Ebay Kleinanzeigen, subito.it, haben sich zurückgemeldet. Wir parken den Wagen zentrumsnah. Wir treffen uns in einem Park mit dem Verkäufer, er lässt sich von 100 auf 80 Euro runterhandeln, als ich ihn auf das unrund laufende Steuerlager hinweise. Ich habe vergessen, Werkzeug mitzubringen, weshalb ich nicht prüfen kann, ob sich die Sattelstütze bewegen lässt, aber das Rad sieht aus, als hätte es die letzten 20 Jahre in einer Garage verbracht, also kaufen wir das Gerät. Zurück am Auto stellt sich heraus: Die Sattelstütze ist natürlich festkorridiert. Weil aufgeben keine Option ist, gehen wir weiter zum zweiten Verkäufer: Beide Räder, die er uns zeigt, sind kompletter Schrott, da hilft auch der geringe Kaufpreis von 50 Euro nicht weiter. Ich hatte um die Ecke einen Fahrradladen bemerkt, also gehen wir dort mit dem einen Fahrrad hin, das wir jetzt schon besitzen. Wir haben Glück: Die Frau am Tresen spricht Englisch. Der Mechaniker versucht, die Sattelstütze mit Kriechöl, klopfen und gut zureden zu lösen, ich brauche eine Weile,ihn zu überzeugen, die Sattelstütze im Schraubstock einzuspannen und das Fahrrad als Hebel zu benutzen. Funktioniert. Weil es gerade so schön ist, zeigt uns der Mechaniker, was er noch an alten Rädern im Hinterzimmer stehen hat, ein altersschwaches, zum Singlespeed umgebautes knarzendes Rad wechselt für 60 € mit noch geschwind eingestelltem Innenlager und neuer Kette den Besitzer.
Glücklich über diesen Erfolg unternehmen wir einen langen Spaziergang durch Catania, was eine wirklich schöne Stadt ist.
Catania











Schöne Feiertage!Auguri Auguri!
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