Rumgedümpel auf Sizilien

Am 11.12 verlassen wir Catania wieder und fahren aus Gründen nach Giardini Naxos.
Wir finden einen hübschen Stellplatz unweit der Stadt, hinter einem baumbewachsenen Streifen am Strand. Ich fühle mich zuerst etwas unwohl, in der Stellplatz-App schreiben andere NutzerInnen, „mouvaises personnes“ (schlechte Menschen) seien hier unterwegs. Ich entspanne mich, als uns klar wird, dass es sich um einen Treffpunkt ortsansässiger schwuler Männer handelt und nicht um einen von Langfingern und Wohnmobildieben. Der Platz ist für uns als VertreterInnen weniger restriktiver Sexualmoralvorstellungen sehr angenehm, es gibt Feuerholz zu sammeln, man kann im Meer baden, der LTE-Empfang ist gut und unser Auto steht zwischen Bäumen versteckt inmitten der Natur. Wir schlendern durch das Städtchen, ich unternehme eine kleine Radtour mit dem echt nicht so tollen neuen alten Fahrrad und wir lassen die Zeit verstreichen. Am 14.12. fahren wir abends in das überhalb Taormina gelegene Örtchen Castelmola, um am nächsten Morgen eine Sonntagswanderung auf den Hausberg, Name leider vergessen, zu unternehmen. Auf dem Weg dorthin kommt ein Sturm auf, an mehreren Stellen liegen Felsbrocken auf der Straße, die von den Böen gelöst worden und von den Felswänden auf die Straße gefallen waren. Ich fahre, abwechselnd auf die Wände über uns und auf die Straße schauend, die kurvige Gebirgsstraße nach oben und hole soviel ich kann aus dem Antrieb. Ich bin mit den Nerven völlig fertig als wir oben ankommen, zum Glück können wir uns auf dem Parkplatz mit dem Auto in eine einigermaßen windgeschützte Ecke stellen. Währenddessen werden alle Blumentöpfe der Stadt umgeweht, wie sich beim Spaziergang vielleicht eine Stunde später, nachdem der Sturm sich urplötzlich gelegt hat, herausstellt. Castelmola ist sehr hübsch, und auch die kleine Tour am nächsten Tag ist traumhaft schön. Die kleinen Berge haben Falten und Terassen, sie erinnern uns an die Landschaft im Norden Vietnams, wo wir 2017 mit dem Moped herumgefahren sind.
In den nächsten Tagen treffen wir am Strand zwei junge Männer. Von weitem sieht es so aus, als trügen sie keine Hosen. Beim näherkommen bemerke ich, dass sie Hosen tragen, nur eben ziemlich kurze Sporthosen. Die beiden haben auch einen Hund dabei, wir winken uns zu, und ich frage sie auf englisch, wo sie herkommen. Dass sie keine Italiener sind, sieht man ihnen am Kleidungsstil an, die Antwort, war ja klar: Germany. Sie laden uns direkt ein, sie stehen am anderen Ende der Straße und wollen am Abend ein Feuer am Strand machen, sie seien mit zwei anderen Paaren unterwegs. So lernen wir ein weiteres deutsches Pärchen und eines aus Schweden kennen, und auch wenn wir das Feuer ausfallen lassen, weil es an dem Abend schon wieder stürmt, verbringen wir einen schönen Abend zusammen, eine Flasche Schnaps, eine Flasche Wein und ein paar Zigaretten werden beim erzählen und lachen verwertet. Ina und ich müssen am folgenden Tag noch Verrichtungen nachgehen und folgen der Gruppe an eine andere Stelle am Ätna einen Tag später. Wir unternehmen eine kleine, feine Wanderung, bei der die beiden Jungs ein strammes Tempo vorgeben. Für mich erfüllt sich ein kleiner Kindheitstraum: Wir stehen im Grund eines Vulkankraters. Von außen unspektakulär, für mich sehr befriedigend. Am nächsten morgen verabschieden wir uns von unseren neuen Freunden, Inas Schwester Eva, deren Freund Ands Und dessen Hund Inka kündigen sich an, wir wollen uns mit ihnen in Palermo treffen, wo ihre Fähre landen soll. Kaum 200 Kilometer Autofahrt Richtung Palermo stellt sich heraus: Der Fährverkehr ist wegen Sturm eingestellt. Eva und Ands fahren also nicht ab Neapel mit der Fähre, sondern fahren selbst weiter Richtung Süden, um von Villa San Giovanni nach Messina überzusetzen. In dem Moment fährt ein riesiger Allrad-LKW mit Reutlinger Kennzeichen auf den Parkplatz. Die Erde bebt, Kinder weinen und Menschen schauen sich erschrocken um. Langsam drehen sich die mannshohen Räder. Ich starte unseren plötzlich winzig wirkenden Dieseltransporter, hupe freundlich zum Gruße und setze Kurs Richtung Messina. Wir stellen uns an unseren liebsten Platz auf Sizilien, nach Venetico Marina. Der Wind ist verdammt stark, ich schlafe schlecht, weil der Wind die ganze Nacht um das Auto rauscht und es ordentlich durchschaukelt.

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