Von Bari bis Heraklion

Am 14.01.2020 fahren wir mit dem Auto an den Hafen, parken dort und gehen ein wenig durch die Altstadt. Dann beginnen wir, nach einem Büro zu suchen, in dem man sich Tickets für die Fähre kaufen kann. Wir wollen abwägen, ob es günstiger ist, die kürzere Strecke Bari-Durres, also nach Albanien zu nehmen, um dann selbst mit dem Auto nach Athen zu fahren, oder direkt mit der Fähre nach Patras. Das spaßige daran: Die Büros, in denen man die Auskünfte und Tickets zu den jeweiligen Verbindungen bekommt, liegen zwei Kilometer auseinander. Dem Büro für Tickets nach Griechenland nähern wir uns auf 30m, aber sind außerhalb des Hafengeländes und fahren also nochmal 4 km durch den Stadtverkehr. Naja. Wie sich herausstellt, ist der Preisunterschied minimal, und in beiden Fällen geht die Fahrt über Nacht, sodass wir auf jeden Fall eine Kabine buchen müssen, also fahren wir besser direkt nach Patras. Wir kochen uns kurz vor der Abfahrt noch einen Topf Nudeln, damit wir das Selbsbedienungsrestaurant an Bord aussparen können, und manövrieren das Auto mithilfe der gebrüllten Anweisungen eines Einweisers, der sichtlich unter Druck steht, zwischen LKWs an Bord. Wir lassen uns zu unserer Kabine führen, erkunden das Schiff, das hauptsächlich von Fernfahrern bevölkert ist, die sich allerlei alkoholische Getränke, und im Außenbereich das eine oder andere Zigarettchen gönnen. Wir genießen die heiße Dusche, die schickerweise zu unserer Kabine gehört, und schlafen dann eher schlecht als recht in den kleinen Betten, während das Schiff vibrierend und dröhnend das Mittelmeerwasser verdrängt. Angekommen in Griechenland fahren wir nur eine halbe Stunde, um uns ein wenig von der weniger erholsamen Nacht auszuruhen. In einem Küstenort finden wir einen schönen Parkplatz, abseits des Ortes gelegen. Wir gehen 10 Minuten am Strand entlang, als Ina Hunger anmeldet und zur Rückkehr treibt. Also spazieren wir zurück, und ich traue meinen Augen nicht, was ich aus ca 300m Entfernung sehe: Ein schmächtiger Typ hängt mit dem Oberkörper im Seitenfenster, das auf ca 180cm überm Boden in der Seite unseres Autos eingelassen ist! Ich renne auf die Szene zu und brülle unfeine Ausdrücke aus voller Kehle, ich bin noch ein ganzes Stück entfernt, als der Bursch zu seinem Kollegen ins Auto springt und die beiden mit Vollgas abfahren. Ein Passant erzählt mir auf Nachfrage, er habe das fehlende Kennzeichen des Wagens bemerkt. Die Verschlüsse des Fensters sind gebrochen, sonst ist kein Schaden entstanden. Hier übernachten wir also nicht. Provisorisch (naja, seien wir ehrlich, für die nächsten 2-3 Jahre) verschliessen wir das Fenster von außen mit Panzertape. Wieder im Auto fahren wir nach Athen, und parken direkt an einem Hafen für kleinere Boote, fußläufig 5 Minuten von der beeindruckenden öffentlichen Bibliothek Athens, die eingebunden in ein Kulturzentrum, neben einem Theater und einer Oper an einem großen, rechteckigen Wasserbecken steht. Das Dach des weitläufigen Gebäudekomplexes ist komplett mit einem Park bebaut, in dem die ErbauerInnen die typische Flora Griechenlands abzubilden versuchen. Für 4,50€ bekommt man ein Tagesticket für den Athener öffentlichen Verkehrsverbund, der Haken: Wir können die Schrift nicht lesen. Ist der Name einer Station in Google maps in Kleinbuchstaben geschrieben, an der Anzeigetafel am Bahnsteig aber in Großbuchstaben oder anders herum, können wir nicht erkennen, dass es sich um dasselbe Wort handelt. Zum Glück sind die AthenerInnen sowohl im Umgang mit der englischen Sprache vertraut, als auch sehr hilfsbereit, sodass wir uns durchwurschteln können. Wir bleiben ein paar Tage, einen Tag gehen wir zu Fuß zum Hafen, um uns die Tickets für die Weiterfahrt nach Kreta zu kaufen, an einem anderen gehen wir das als alternativ geltende Viertel Exarchia anschauen, wo wir eine leckere Suppe im Restaurant essen. Natürlich schauen wir uns auch die Akropolis an. Am letzten Abend vor der Weiterfahrt sehen wir einen kleinen Trupp Autonomer am Syntagma-Platz vorbeiziehen, deren Anwesenheit den Verkehr in der Innenstadt weitgehend zum Erliegen bringt. Also fahren wir mit dem Taxi zurück zum Auto: Kurz davor haben wir zwei Säcke Brennholz gekauft, die mit sich herumzutragen wenig Spaß macht. Als wir dieses Mal auf die Fähre fahren, ist der Einweiser besser gelaunt, die Fahrgäste weniger betrunken, dafür endet die Fahrt morgens um 6. Unsere urlaubsverwöhnten Körper protestieren, deshalb parken wir in Heraklion direkt am Hafen und legen uns noch mal hin. 

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