Kreta

Heraklion haut uns nicht so vom Hocker, vom Parkplatz aus latschen wir zum alten Hafen und ein bisschen durch die Stadt, futtern Gyros. Es ist ziemlich windig und ungemütlich, deshalb fahren wir weiter zur Tropfsteinhöhle Sfetoni, die ziemlich abgelegen im Hinterland liegt. Ina hat nämlich noch nie eine Tropfsteinhöhle gesehen! Ich hatte als Kind mal eine Phase, in der ich mich wahnsinnig für Höhlen begeistert habe, und finde, dass dass Ina dringend auch mal in den Genuss kommen sollte. Dort angekommen stellt sich leider heraus, dass die Öffnungszeiten aus Google Maps nur für die Hauptsaison gelten. Immerhin ist es hübsch hier, und wir gehen im Dorf und in einer nahe gelegenen Schlucht spazieren. Der Ort wirkt sehr arm und ländlich, auffällig ist zum Beispiel eine Fensterscheibe, die gezielt im Oberen Bereich eingeschlagen wurde, um einen Durchgang für ein horizontal herausragendes Ofenrohr zu schaffen. Jede Familie im Ort, und wie sich später herausstellt in allen ländlichen Gegenden Kretas, besitzt mindestens einen Pickup-Truck. Zur Auswahl stehen Mitsubishi L200, Toyota Hilux und vor allem Nissan Navara, von denen fast alle auf Breitreifen rollen. Sieht wirklich wahnsinnig prollig aus. Nächster Stopp ist beim Kloster Arkadi. Hier spazieren wir durch die Gegend, wo ein junger, riesiger Hund zu uns stößt. Sein Schweif scheint erst kürzlich abgeschnitten worden zu sein, man sieht das rosa Gewebe am stumpfen Ende. Als wir ihn an einem Gatter zurücklassen, heult er herzzerreißend. Das hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Das Kloster selbst ist wunderschön, ein stark schwitzender Mönch verkauft uns Eintrittskarten für 2€, die Ausstellung ist vor allem vom Widerstand der KreterInnen gegen die Besetzung durch das osmanische Reich geprägt. In einer aussichtslosen Kapmfsituation haben sich hier wohl ca 30 Männer, Frauen und Kinder im Munitionslager selbst in die Luft gesprengt und dabei 150 Türken mit in den Tod gerissen. Gute Untertanen sind die KreterInnen nicht gerade, wie es scheint. Zurück in die Zivilisation begeben wir uns nach Rethymno, ein sehr hübsches Städtchen mit unzähligen kleinen Gassen und einer Befestigungsanlage auf der Anhöhe. Als wir ein einem Café sitzen, sehe ich wie Leute am Nebentisch einen lecker aussehenden Eintopf verputzen, und Frage beim jungen linken AkademikerInnenpersonal nach, ob wir auch eine Portion kriegen können. Leider nein, sie seien kein Restaurant, das Essen nur für das Personal. Naja, kann man nichts machen. 10 Minuten später steht ein dampfender Teller auf unserem Tisch: Damit wir auch mal probieren können. Gemüseeintopf mit Hühnchen und dazu Weißbrot. Lecker. Danke, Leute vom Games Café 🙂 Auf dem Parkplatz, auf dem wir parken, fährt Abends ein kleiner Transporter, im rechten Winkel dazu stellt sich ein PKW, und an den Resten eines Pavillons daneben wird Wäsche aufgehängt. Es sind zwischen 6 und 10 Personen involviert. Am nächsten Tag ist der Wagen wieder da, diesmal wird ein Schutzwall aus Karton errichtet und der Grill angeworfen. Später fährt die Gruppe ab, den Hausrat auf dem Dach verzurrt. Der Kartonwall liegt abseits, die Feuerstelle raucht noch. Neben unserem Auto steht ein Corsa, bis unters Dach vollgestopft mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Wieder einmal bemerke ich, wie stinkreich wir sind.
Wir fahren in die Myli-Schlucht, kleine feine Wanderung mit Fluss, kaputten Brücken, die über denselben führen, geschlossene Ausflugslokale und viel Grün. Wieder in Auto geht es Richtung Westen an der Küste entlang, an einem Fluss, der ins Meer mündet, halten wir zum Übernachten an. Hier haben sich riesige Mengen Treibgut angesammelt, das von Einheimischen gesammelt wird. Eine Frau um die Mitte 50 begrüßt uns auf deutsch, sie wohnt hier in der Nähe. Mit ihrem Mann hergekommen, der Grieche ist, haben sie eine Taverne betrieben. Die Flammen der Liebe sind leider erkaltet, und jetzt sitzt sie alleine auf Kreta und ist arbeitslos. Tauschen will man da nicht.
Auf Empfehlung von Reni fahren wir nach Stavros, ein im Winter fast ausgestorbenes Nest mit einer wunderschönen Bucht mit blauem Wasser und einem kleinen Berg mit einer schon von weitem sichtbaren Höhle. Ich fühle mich irgendwie krank und liege zwei Tage im Bett und versinke völlig in einem Buch, der Wiedereintritt in die Realität fällt mir danach schwer. Wir bleiben einige Tage hier, und verschieben immer wieder die etwa halbstündige Wanderung zu der Höhle auf den nächsten Tag und sind so faul, dass es fast obszön ist.
Irgendwann raffen wir uns auf und fahren weiter nach Chania. Auch hier sieht man, dass der Betrieb im Winter deutlich heruntergefahren wird, aber die Stadt ist insgesamt schön. Es gibt eine lange Hafenpromenade, und wir finden ein günstiges Café bei dem man jedes mal ein kleines Croissant geschenkt bekommt. Wir wollen eigentlich schon weiterfahren, da gehen wir in einen Computer- und Smartphone-Reparaturladen, weil mein Motorola Moto G4 Plus aus 2016 nicht mehr richtig lädt. Ich soll es doch bis Abends da lassen, sie hätten den Micro-USB-Port dafür da, falls eine Reinigung nicht reicht. Mir fällt alles aus dem Gesicht. Die haben Ersatzteile für ein Mittelklassephone aus 2016 einfach im Schrank liegen? Und ich hatte zuvor für 5$ Ersatzteile aus China kommen lassen und 50$ Versand dafür bezahlt! 28€ kostet mich die Reparatur inklusive Teil, ich gebe 10€ Trinkgeld und hoffe, dass nicht alle wie die Lemminge den lean production-Gurus hinterherrennen, sondern ordentliche Lagerhaltung vor Ort betreiben, so wie dieser Laden. Nennt mich konservativ, aber die Welt kann so schön sein, wenn man nicht alles kaputtspart.
Ich schweife ab.
Auf dem Parkplatz neben uns steht ein T3 mit Erfurter Kennzeichen, es dauert ungefähr 10 Sekunden, und wir sind mit Simone und Jakob zum Abendessen verabredet, die beiden bringen eine Flasche Wein und Salat mit, Ina und ich kochen lecker Salzkartoffeln mit Tzatziki. Danach legen wir uns wie die Sardinen zu viert quer und Bett und schauen Tarantinos Inglorious Basterds auf Inas Laptop, während draußen der Wind pfeift. Super Abend.
Wenn die geneigte LeserInnenschaft eine Karte bemüht, dann sieht man links von Chania zwei Zipfel. Simone und Jakob wollen zu einem Kletterspot, und wir verabreden uns auf dem ersten Zipfel am äußersten Ende. Ina und ich fahren los, nach ca 2 km Rumpelpiste kommt uns ein Wohnmobil entgegen. Darin sitzt ein alter Typ mit seiner Frau und meint: „Schlechte Beispiele sind gut anzuhängen“. Ich so: „Was?“ Er so: Wiederholt sinnlosen Satz. Ich so: „Der Satz ergibt keinen Sinn“. Er so: „Naja anders gesagt, schlechten Beispielen folgt man gern.“ Ich so: „Ah ja, also bist du das schlechte Beispiel und ich…“ „Folge dem meinen, ja. Da gibt’s nichts zu sehen. Ans Meer kommt man auch nicht, außer man kann fliegen. Der Schlamm hier“, der Mann zeigt auf den roten lehmigen Boden, “ ist wie Seife. Runter kommt ihr vielleicht, aber wieder hoch, keine Chance.“ Wir winken uns freundlich zu und fahren weiter. Wir holpern noch eine Dreiviertelstunde weiter, immer wieder fahren wir sehr langsam, um den Ziegenfamilien auf der Piste Zeit zu geben, sich aus dem Weg zu bewegen. Jede Menge zuckersüßer Ziegenbabys sind dabei. Die Piste ist am Ende zwar ziemlich steil und von großen Felsblöcken übersät, aber wir kommen gut durch. Der Platz sieht aus wie ein Postkartenmotiv, und in den zwei Tagen, die wir dort verbringen, kommt nur ein Paar vorbei, Amerikaner. Ich vermute Militär. An einer Stelle bekomme ich eine schmalbandige Datenverbindung, über diese erfahren wir von der Zipfelverwechslung. Simone und Jakob hatten ihren nächsten zu bekletternden Spot auf dem ersten Zipfel verortet, der zweite wäre der Richtige gewesen. Also fahren wir noch zu Zipfel Nummer zwei, der sogar noch ein bisschen hübscher ist als der erste. Gemeinsam unternehmen wir eine kleine Wanderung, die Landschaft ist schön und der Wind verrückt stark. Der Kletterspot, den unsere neuen Freunde angepeilt haben liegt zum Glück in einer Höhle, in der man vom Wind nichts mitbekommt. Ich versuche mich auch am Fels, aber mein vom langen Urlauben verlotterter Körper und der nasse Fels erlauben mir nur ein gutes Drittel der Route zu besteigen. Ina schaut zu und wundert sich über über die komischen Hobbies von Leuten.
Wir verabschieden uns, hoffen auf ein Wiedersehen und düsen weiter. Wir wollen uns in die Richtung bewegen, in der der Ort liegt, an dem wir in wenigen Tagen unsere Volunteer-Jobs antreten wollen, bei einer kleinen Familie, die sich ich in Permakultur-Anbau versucht, unser nächster Stopp auf dem Weg ist in der Preveli-Schlucht. Hier sind wir eher inaktiv, eine kleine Wanderung bringt uns an den Preveli Palmenstrand. Hier mündet ein Fluss ins Meer und an dessen Ufern wächst ein dichter Palmenwald. Wunderschön!
Weiter geht es nach Matala, ein Dorf, das durch eine Hippiekommune bekannt wurde, die sich in den Siebzigern in den Höhlen eingerichtet hatte, die am Strand von den alten Römern in den Fels geschlagen worden waren. Das Dorf scheint bis heute geschickt Kapital aus seiner Hippiegeschischte zu schlagen, es besteht fast ausschließlich aus Hotels und Restaurants, und die Straßen sind bunt angemalt. Einige wenige alternativkulturelle Menschen sind auch heute noch da, sie haben es sich in ein paar Höhlen auf der anderen Talseite gemütlich gemacht, wie mir ein Typ aus einem Wohnmobil nebenan mit polnischem Kennzeichen erzählt.

Unsere Host-Familie antwortet nicht auf unsere Mails. Wir fahren einfach trotzdem in das Dorf, das auf deren Workaway-Seite angegeben ist, ohne die Adresse zu kennen. Wir suchen einen Parkplatz, ich steige aus, als ich einen Mann vor seinem Haus herumwerkeln sehe, und frage ihn, ob er unsere Hosts kennt. Er bedeutet mir zu warten, und holt seine Frau. Sie ist, wie sich später herausstellt, eine von vier Personen im Dorf, die englisch spricht. Wir werden sofort in die Küche gesetzt, bekommen Kuchen, Cola und Schnaps, und die Leute versuchen Kontakt zu unseren Hosts herzustellen. Die vierzehnjährige Tochter freut sich sehr über den internationalen Besuch, kein Wunder. In den nächsten Tagen werden wir realisieren, wie klein, abgehängt und ausgestorben dieses Dorf ist. Pro (so heißt der Vater der Familie) kommt uns abholen und ist überrascht, dass wir da sind. Die letzten Mails scheinen nicht angekommen zu sein, sie hatten nicht mehr mit unserer Ankunft gerechnet. Wir bekommen die Schlüssel zum Gästehaus, es gehört Joannas Eltern, die aus UK stammen. Wir nutzen aber nur Küche und Bad, unser eigenes Bettchen ist uns einfach am liebsten 🙂 Am nächsten Morgen frühstücken wir zusammen, und verbringen unseren ersten Arbeitstag. Pro führt uns ins Valley, wie sie ihr Stück Land nennen, das sich in einer Art Schlucht oder Schneise befindet, deren obere Kanten ca 60 m auseinander liegen. Hier lockern wir mit einer Mistgabel die Erde entlang der mit Bambusrohren angelegten Terrassen und pflanzen dort verschiedene Sachen an. So vergehen die nächsten Tage mit Feldarbeit verschiedener Ausprägung, das ganze Unternehmen wirkt auf uns völlig chaotisch. Weil Pro nach sogenannten biodynamischen Prinzipien arbeitet, richtet er seine Aktivitäten nach den Mondkalender, weshalb Arbeiten oft nicht zu Ende gebracht werden, weil der Mond eben andere Dinge priorisiert als sinnvoll aufeinander aufbauende Prozesse. Das Dorf ist fast ausschließlich von Ü-70ern bewohnt, jeden Tag kommen zwei oder drei Autos mit Megaphons auf dem Dach durch das Dorf, die Brot, Joghurt und Gemüse und anderes anbieten. Leider entzündet sich mein Auge mal wieder, und ich muss ins nächste größere Dorf, um mir Augentropfen zu besorgen. Am Ortseingang steht ein Demobus von der Polizei neben einem Supermarkt, dessen automatische Schiebetüren von Hand auseinander geschoben werden müssen.Pro erzählt mir am nächsten Tag, als wir an zwei Pickups der Polizei vorbeifahren, die gerade mit Maschinenpistolen bewaffnet aussteigen, um eine Kontrolle an einem Fahrzeug durchzuführen, dass es in letzter Zeit mehrere Tote nach Schießereien zwischen verfeindeten Familien gegeben hatte, weshalb die Staatsgewalt ihre Präsenz extrem ausweitet. Ihm war wenige Tage zuvor der Führerschein für 6 Wochen abgenommen worden, weil er nicht angeschnallt gewesen war. Er fährt natürlich trotzdem 🙂 Eines Abends nimmt uns Joanna in ihrem Ford Focus mit in eine Taverne, die von der Kooperative gegründet worden war, in der sie selbst auch organisiert sind. Das Auto lässt immer wieder alle Lichter des Armaturenbretts leuchten und lässt Alarmtöne hören. Das abgegammelte Kabel, das ich zuvor entdeckt und wieder zusammengeflickt hatte, war offensichtlich nicht das einzige Problem an dem Fahrzeug. Ina, Joanna und deren Tochter gehen bald wieder nach Hause, ich bleibe noch und trinke ein paar Weinchen. Die anderen Männer rauchen zu späterer Stunde Joints und lassen hören, dass der Faschismus ein gewolltes Instrument ist, um die Gesellschaft zu spalten und Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe zu unterwandern. Ich bin wahnsinnig froh, kein Gras mehr zu rauchen und nicht so ein verschwörungsgläubiger Trottel geworden zu sein. Immerhin muss Pro seinen Konsum vor mir die nächsten nicht mehr verstecken. An unserem freien Tag wird mein Auge viel schlimmer. Wir vereinbaren einen Termin bei einer Augenklinik in Heraklion und verabschieden uns zwei Tage früher von unseren GastgeberInnen als geplant. Ein bisschen traurig sind wir, uns von der liebenswerten kleinen Familie zu trennen.

Von Bari bis Heraklion

Am 14.01.2020 fahren wir mit dem Auto an den Hafen, parken dort und gehen ein wenig durch die Altstadt. Dann beginnen wir, nach einem Büro zu suchen, in dem man sich Tickets für die Fähre kaufen kann. Wir wollen abwägen, ob es günstiger ist, die kürzere Strecke Bari-Durres, also nach Albanien zu nehmen, um dann selbst mit dem Auto nach Athen zu fahren, oder direkt mit der Fähre nach Patras. Das spaßige daran: Die Büros, in denen man die Auskünfte und Tickets zu den jeweiligen Verbindungen bekommt, liegen zwei Kilometer auseinander. Dem Büro für Tickets nach Griechenland nähern wir uns auf 30m, aber sind außerhalb des Hafengeländes und fahren also nochmal 4 km durch den Stadtverkehr. Naja. Wie sich herausstellt, ist der Preisunterschied minimal, und in beiden Fällen geht die Fahrt über Nacht, sodass wir auf jeden Fall eine Kabine buchen müssen, also fahren wir besser direkt nach Patras. Wir kochen uns kurz vor der Abfahrt noch einen Topf Nudeln, damit wir das Selbsbedienungsrestaurant an Bord aussparen können, und manövrieren das Auto mithilfe der gebrüllten Anweisungen eines Einweisers, der sichtlich unter Druck steht, zwischen LKWs an Bord. Wir lassen uns zu unserer Kabine führen, erkunden das Schiff, das hauptsächlich von Fernfahrern bevölkert ist, die sich allerlei alkoholische Getränke, und im Außenbereich das eine oder andere Zigarettchen gönnen. Wir genießen die heiße Dusche, die schickerweise zu unserer Kabine gehört, und schlafen dann eher schlecht als recht in den kleinen Betten, während das Schiff vibrierend und dröhnend das Mittelmeerwasser verdrängt. Angekommen in Griechenland fahren wir nur eine halbe Stunde, um uns ein wenig von der weniger erholsamen Nacht auszuruhen. In einem Küstenort finden wir einen schönen Parkplatz, abseits des Ortes gelegen. Wir gehen 10 Minuten am Strand entlang, als Ina Hunger anmeldet und zur Rückkehr treibt. Also spazieren wir zurück, und ich traue meinen Augen nicht, was ich aus ca 300m Entfernung sehe: Ein schmächtiger Typ hängt mit dem Oberkörper im Seitenfenster, das auf ca 180cm überm Boden in der Seite unseres Autos eingelassen ist! Ich renne auf die Szene zu und brülle unfeine Ausdrücke aus voller Kehle, ich bin noch ein ganzes Stück entfernt, als der Bursch zu seinem Kollegen ins Auto springt und die beiden mit Vollgas abfahren. Ein Passant erzählt mir auf Nachfrage, er habe das fehlende Kennzeichen des Wagens bemerkt. Die Verschlüsse des Fensters sind gebrochen, sonst ist kein Schaden entstanden. Hier übernachten wir also nicht. Provisorisch (naja, seien wir ehrlich, für die nächsten 2-3 Jahre) verschliessen wir das Fenster von außen mit Panzertape. Wieder im Auto fahren wir nach Athen, und parken direkt an einem Hafen für kleinere Boote, fußläufig 5 Minuten von der beeindruckenden öffentlichen Bibliothek Athens, die eingebunden in ein Kulturzentrum, neben einem Theater und einer Oper an einem großen, rechteckigen Wasserbecken steht. Das Dach des weitläufigen Gebäudekomplexes ist komplett mit einem Park bebaut, in dem die ErbauerInnen die typische Flora Griechenlands abzubilden versuchen. Für 4,50€ bekommt man ein Tagesticket für den Athener öffentlichen Verkehrsverbund, der Haken: Wir können die Schrift nicht lesen. Ist der Name einer Station in Google maps in Kleinbuchstaben geschrieben, an der Anzeigetafel am Bahnsteig aber in Großbuchstaben oder anders herum, können wir nicht erkennen, dass es sich um dasselbe Wort handelt. Zum Glück sind die AthenerInnen sowohl im Umgang mit der englischen Sprache vertraut, als auch sehr hilfsbereit, sodass wir uns durchwurschteln können. Wir bleiben ein paar Tage, einen Tag gehen wir zu Fuß zum Hafen, um uns die Tickets für die Weiterfahrt nach Kreta zu kaufen, an einem anderen gehen wir das als alternativ geltende Viertel Exarchia anschauen, wo wir eine leckere Suppe im Restaurant essen. Natürlich schauen wir uns auch die Akropolis an. Am letzten Abend vor der Weiterfahrt sehen wir einen kleinen Trupp Autonomer am Syntagma-Platz vorbeiziehen, deren Anwesenheit den Verkehr in der Innenstadt weitgehend zum Erliegen bringt. Also fahren wir mit dem Taxi zurück zum Auto: Kurz davor haben wir zwei Säcke Brennholz gekauft, die mit sich herumzutragen wenig Spaß macht. Als wir dieses Mal auf die Fähre fahren, ist der Einweiser besser gelaunt, die Fahrgäste weniger betrunken, dafür endet die Fahrt morgens um 6. Unsere urlaubsverwöhnten Körper protestieren, deshalb parken wir in Heraklion direkt am Hafen und legen uns noch mal hin. 

Zu zweit allein

Nachdem der Babybus abgefahren ist schnappe ich mir den Hund und mache einen ausgedehnten Spaziergang und höre dabei Podcast. https://cre.fm/cre220-sprechendes-denken danach geht es mir schon viel besser. Ich entscheide mich, den Süden der Insel noch ein wenig zu erkunden, und fahre nach Ragusa. Ragusa liegt am Hang, und ich gehe zunächst eine Stunde lang in die „falsche“ Richtung, und gehe an langen, schnurgeraden Straßen entlang bis ich bemerke, dass der historische Stadtkern in der entgegengesetzten Richtung liegt. Also spazieren der Hund und ich eine Stunde zurück und dann nochmal gut zwei Stunden durch besagten Stadtkern, der sehr hübsch anzuschauen ist. Im Stadtgarten teilen wir uns eine Pizza aus der Auslage, dann gehen wir wieder zum Auto und fahren, um den grimmigen Temperaturen bei Nacht zu entgehen, nach Süden an die Küste, Ragusa Marina. Dort finde ich einen traumhaften Parkplatz direkt am Meer, ruhig, LTE Empfang, Trinkwasser und kalte Dusche vorhanden. Zwei Tage bleibe ich hier, und unternehme lange Spaziergänge am Meer, einmal rechts und einmal links entlang. Ich bemerke, dass mir menschliche Kontakte fehlen, und nutze die Gelegenheit, mich bei Leuten aus meiner Schulklasse in Weißenhorn zu melden. Ich fahre weiter nach Modica, nachdem mir geraten wurde, mir die Stadt anzuschauen. Rumo und ich beschreiten den empfohlenen touristischen Rundweg, dessen Höhepunkt im Wort- und übertagenen Sinn mich mit einer tollen Aussicht über das verschachtelt gebaute Städtchen verschafft. Eine Familie aus England, die zeitgleich den Ausblick genießt, bemerkt zu meinem Amusement die Ähnlichkeit des Hundes zu Chewbacca. In der Dämmerung fahre ich weiter Richtung Westen, wo ein Naturreservat liegt, das ich mir anschauen möchte. Die Stellplatzapp empfiehlt mir einen Parkplatz an einer verlassenen Kirche in einem auch sonst zu 90 Prozent verlassenen Ort. Ich habe das Gefühl, mich an einem Drehort für einen Zombie-Apokalypsenfilm zu befinden. Die Planung der Wanderung durch das Reservat gestaltet sich schwierig, es gibt zwar angeblich mehrere Rundwege, aber weder im Netz noch vor Ort finden sich Hinweise auf deren genaue Lage. Ich wähle einen zufälligen Ort, einen Brunnen, als Navigationsziel aus und werde sehr positiv überrascht: Durch die postapokalyptische Szenerie hindurch wandere ich in eine für mich noch nie gesehene karg bewaldete, sandige Landschaft, die regelmäßig abzubrennen scheint. Der Brunnen, der mir als Wegmarke dient, ist ein magisch wirkender Ort. Er liegt in einem kleinen Graben von vielleicht 20 Metern Breite und 10 Metern Tiefe, der so dicht von Bäumen umsäumt ist, dass es trotz Sonnenschein fast dunkel ist, gefühlt liegt die Temperatur 5 Grad unter der von Außen. Ich finde doch Schilder, die den Verlauf des Naturpfads anzeigen, und staune über die seltenen Korkeichen, die in dieser geschützten Umgebung gedeihen. Von einem Hügel aus sehe ich drei riesige Parabolantennen in wenigen Kilometern Entfernung. Eine kurze Internetrecherche ergibt, dass das amerikanische Militär trotz des Widerstands der Bevölkerung und des Bauverbots im Naturschutzgebiet hier eine von 5 Sendeanlagen errichtet hat, die gemeinsam ein weltumspannendes, breitbandiges Kommunikationsnetz bilden, das zum Beispiel für den Betrieb von Drohnen notwendig ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mobile_User_Objective_System Diese Entdeckung verstärkt in mir das Gefühl von dystopischer Romantik noch erheblich. Weiter geht meine Reise, einige Stunden Autofahrt bringen mich nach Messina, wo ich mit der Fähre zurück aufs Festland gefahren werde. Mein Plan sieht vor, die nächsten Tage zu nutzen, um an der östlichen Küste entlang nach Norden zu fahren. Es ist schon eher spät am Abend, als ich einen Küstenabschnitt finde, an dem ich das Gefühl habe, nicht sofort ausgeraubt zu werden, sobald ich anhalte. Ein schmaler Weg am Strand macht mir den Eindruck, mich an einen ruhigen Ort zu bringen, an dem ich mich ausschlafen kann. Plötzlich merke ich, dass ich von einer Asphaltpiste auf einer Sandpiste gelandet bin, und halte Ausschau nach einer guten Stelle, um zu wenden. Ich versuche es an einer Einfahrt zu einem Ferienhaus, wo der Sand festgefahren wirkt: Sofort graben sich die Hinterräder ein. Es ist dunkel, und weit und breit kein Mensch. Der Geruch meines Angstschweißes wird vom verdampfenden Gummi kaschiert, nach drei Versuchen schaffe ich es, die Räder mit den bloßen Händen freizugraben und das Auto durch koordiniertes kommenlassen der Kupplung aus den Mulden zu schaukeln. Zur Feier des Tages koche ich mir Artischocken mit Vinaigrette und vernichte eine schöne Flasche Vino Frizzante, die ich beim Gemüsehändler erstanden hatte. Am nächsten Morgen fahre ich, auf Empfehlung von Tante Gudrun (vielen Dank für diesen Tip!!) in ein verlassenes Dorf Namens Pentedatillo. Ich schlendere durch die Ruinen, und schaue mir die liebevoll restaurierten Häuschen an, klettere ein wenig in den Felsen herum und beschließe, noch einen Tag zu bleiben. Am nächsten Morgen setze ich mir eine markanten Felsblock auf dem benachbarten Bergkamm als Ziel, und der Hund und ich wandern durch ärmliche Dörfer und an zerfallenden Höfen vorbei dorthin, die Landschaft ist einzigartig und wunderschön. Auf dem Rückweg kommen wir an einer aus Beton gebauten „Burg“ vorbei, der Garten ist akkurat gepflegt und mit allerlei verspielten Elementen verziert, unter anderem mit einem Wegweiser, der Richtung Wolfsburg in 2200 km Entfernung weißt. Sie sind einfach überall, die Almans. Auch treffe ich einen älteren Herrn, der in einer sehr witzigen Mischung aus italienischem Akzent und norddeutschem Schnack von seinen diversen Eisdielen berichtet, die er betreibt oder betrieben hat, von bekifften und besoffenen Serviceangestellten, davon, dass er manchmal mit seiner Eismaschine redet, und dass er, obwohl längst im Rentenalter, nicht aufhören will, weil es ihm einfach Spaß macht. Super Typ. Außerdem begegne ich einer jungen Frau aus dem Ruhrgebiet, deren gesamter Besitz in einer Holztruhe in ihrem Nissan Micra lagert. Sie baut mit einem Rumänischen Globetrotter und einer Ortsansässigen Frau einen Ziegenstall. Weil Inas Rückkehr bald bevorsteht, bewege ich mich zügig weiter Richtung Bari, wo sie mit dem Zug ankommen soll. Ich fahre ein paar Stunden, bis ich müde werde. Ich halte an einem Supermarkt, wo mir ein junger Mann, der aus Indien stammt, von der kärglichen Situation auf dem Arbeitsmarkt berichtet, während er mein Gemüse einpackt. Das lasse ich, Dank Verblödung durch stundenlanges Autofahren, an der Kasse liegen und fahre zwei Kilometer weiter auf einen Parkplatz neben einer WWF- Auffangstation für Meeresschildkröten. Dort bemerke ich das Versäumnis. Beherzt schnappe ich mir eines unserer Fahrräder, um festzustellen, dass die Reifen platt sind. Also Hecktür auf, Pumpe raus, Reifen aufpumpen, Pumpe rein, Hecktüre per Knöpfchen von innen verschlossen, Türe zugeworfen, dann Hitze und Kälte am ganzen Körper gleichzeitig: Den Schlüssel hatte ich in der Hand gehabt beim pumpen, und mitsamt der Pumpe in den Stauraum geworfen. Ich spüre kaltes kribbeln in allen Gliedmaßen, und rufe Ina an. Sie beruhigt mich, und sagt mir, ich muss mir Hilfe suchen. Nachdem ich oft genug Scheisse geschrien habe, und alle Türen dreimal überprüft habe, steige ich aufs Rad. Nach 10 Metern treffe ich ein älteres Paar, die zum Glück zumindest einige Worte Englisch sprechen. Ich kann ihnen mein Problem erklären, und innerhalb einer Minute bildet sich eine Traube aus ca 10 Menschen, die ihre Smartphones zücken und ihre jeweils bekannten Automechaniker anrufen. Der Mann, den ich ursprünglich angesprochen habe, erreicht seinen Kontakt, und zurück bleiben 4 Menschen, das älter Paar, ein Freund von ihnen und eine junge Frau, die in der WWF-Station arbeitet. Ich darf dort im Büro warten, bis der Mechaniker eintrifft. Der erscheint kurz darauf in einer C-Klasse, hat ein Zange, Draht und drei mit einer Handpumpe aufblasbare Luftsäcke dabei. Er klemmt die Luftsäcke in die Spalten in der Fahrertür, weitet sie durch aufpumpen, und hantiert ca 20 Minuten mit dem Draht, bis er schließlich den Türöffner zu fassen bekommt und die Türe aufspringt. Jubel bricht aus, Fotos werden geschossen. Der Mechaniker zündet sich eine Zigarette an und steigt wortlos in seinen Wagen, ich halte ihn zurück, um ihm zumindest 20 Euro für seinen samstagabendlichen Einsatz geben zu können. Ich werde ihm für immer dankbar sein. Jetzt steige ich, nachdem ich mich bei allen anwesenden mehrfach bedankt habe, auf das Fahrrad und hole mein Gemüse. Man erinnert sich noch an mich, mein Gemüse wird mir gereicht. Am nächsten Tag wandere ich mit dem Hund erst nach links, dann nach rechts am Meer entlang. Wir übernachten noch einmal hier, dann fahre ich nach Bari. Hier parke ich, weil viele NutzerInnen der Stellplatz-App vor Einbrüchen gewarnt haben, auf einem bewachten Parkplatz, der sonst nur von LKW frequentiert wird. Der Parkwächter spendiert mir einen Kaffee, ich mache den Abwasch und den Ofen an und will zu Fuß aufbrechen, um Ina vom Bahnhof abzuholen. Nach kaum 50 Metern hält neben mir ein Van, ein Kollege vom Stellplatz besteht darauf, mich zum Bahnhof zu fahren. Dort wartet er mit mir 20 Minuten, bis Ina ankommt, und fährt uns dann zurück. Kostenlos. Bei 10€ Parkgebühren pro 24h. unglaublich. Und endlich sind wir wieder zusammen!

Rumgedümpel auf Sizilien

Am 11.12 verlassen wir Catania wieder und fahren aus Gründen nach Giardini Naxos.
Wir finden einen hübschen Stellplatz unweit der Stadt, hinter einem baumbewachsenen Streifen am Strand. Ich fühle mich zuerst etwas unwohl, in der Stellplatz-App schreiben andere NutzerInnen, „mouvaises personnes“ (schlechte Menschen) seien hier unterwegs. Ich entspanne mich, als uns klar wird, dass es sich um einen Treffpunkt ortsansässiger schwuler Männer handelt und nicht um einen von Langfingern und Wohnmobildieben. Der Platz ist für uns als VertreterInnen weniger restriktiver Sexualmoralvorstellungen sehr angenehm, es gibt Feuerholz zu sammeln, man kann im Meer baden, der LTE-Empfang ist gut und unser Auto steht zwischen Bäumen versteckt inmitten der Natur. Wir schlendern durch das Städtchen, ich unternehme eine kleine Radtour mit dem echt nicht so tollen neuen alten Fahrrad und wir lassen die Zeit verstreichen. Am 14.12. fahren wir abends in das überhalb Taormina gelegene Örtchen Castelmola, um am nächsten Morgen eine Sonntagswanderung auf den Hausberg, Name leider vergessen, zu unternehmen. Auf dem Weg dorthin kommt ein Sturm auf, an mehreren Stellen liegen Felsbrocken auf der Straße, die von den Böen gelöst worden und von den Felswänden auf die Straße gefallen waren. Ich fahre, abwechselnd auf die Wände über uns und auf die Straße schauend, die kurvige Gebirgsstraße nach oben und hole soviel ich kann aus dem Antrieb. Ich bin mit den Nerven völlig fertig als wir oben ankommen, zum Glück können wir uns auf dem Parkplatz mit dem Auto in eine einigermaßen windgeschützte Ecke stellen. Währenddessen werden alle Blumentöpfe der Stadt umgeweht, wie sich beim Spaziergang vielleicht eine Stunde später, nachdem der Sturm sich urplötzlich gelegt hat, herausstellt. Castelmola ist sehr hübsch, und auch die kleine Tour am nächsten Tag ist traumhaft schön. Die kleinen Berge haben Falten und Terassen, sie erinnern uns an die Landschaft im Norden Vietnams, wo wir 2017 mit dem Moped herumgefahren sind.
In den nächsten Tagen treffen wir am Strand zwei junge Männer. Von weitem sieht es so aus, als trügen sie keine Hosen. Beim näherkommen bemerke ich, dass sie Hosen tragen, nur eben ziemlich kurze Sporthosen. Die beiden haben auch einen Hund dabei, wir winken uns zu, und ich frage sie auf englisch, wo sie herkommen. Dass sie keine Italiener sind, sieht man ihnen am Kleidungsstil an, die Antwort, war ja klar: Germany. Sie laden uns direkt ein, sie stehen am anderen Ende der Straße und wollen am Abend ein Feuer am Strand machen, sie seien mit zwei anderen Paaren unterwegs. So lernen wir ein weiteres deutsches Pärchen und eines aus Schweden kennen, und auch wenn wir das Feuer ausfallen lassen, weil es an dem Abend schon wieder stürmt, verbringen wir einen schönen Abend zusammen, eine Flasche Schnaps, eine Flasche Wein und ein paar Zigaretten werden beim erzählen und lachen verwertet. Ina und ich müssen am folgenden Tag noch Verrichtungen nachgehen und folgen der Gruppe an eine andere Stelle am Ätna einen Tag später. Wir unternehmen eine kleine, feine Wanderung, bei der die beiden Jungs ein strammes Tempo vorgeben. Für mich erfüllt sich ein kleiner Kindheitstraum: Wir stehen im Grund eines Vulkankraters. Von außen unspektakulär, für mich sehr befriedigend. Am nächsten morgen verabschieden wir uns von unseren neuen Freunden, Inas Schwester Eva, deren Freund Ands Und dessen Hund Inka kündigen sich an, wir wollen uns mit ihnen in Palermo treffen, wo ihre Fähre landen soll. Kaum 200 Kilometer Autofahrt Richtung Palermo stellt sich heraus: Der Fährverkehr ist wegen Sturm eingestellt. Eva und Ands fahren also nicht ab Neapel mit der Fähre, sondern fahren selbst weiter Richtung Süden, um von Villa San Giovanni nach Messina überzusetzen. In dem Moment fährt ein riesiger Allrad-LKW mit Reutlinger Kennzeichen auf den Parkplatz. Die Erde bebt, Kinder weinen und Menschen schauen sich erschrocken um. Langsam drehen sich die mannshohen Räder. Ich starte unseren plötzlich winzig wirkenden Dieseltransporter, hupe freundlich zum Gruße und setze Kurs Richtung Messina. Wir stellen uns an unseren liebsten Platz auf Sizilien, nach Venetico Marina. Der Wind ist verdammt stark, ich schlafe schlecht, weil der Wind die ganze Nacht um das Auto rauscht und es ordentlich durchschaukelt.

Weihnachten mit Babybus

Am 23.12 ist es soweit, Eva und Ands kommen an. Zum Abendessen kochen wir uns mal wieder Artischocken mit Vinaigrette. Unsere Autos parken wir in eine Straße zwischen den Häusern, um ein wenig Schutz vor dem Sturm zu haben. An Heiligabend sitzen wir in unserem Lieblingscafé, gehen spazieren und suchen uns ein geeignetes Etablissement, um abends dort Essen zu gehen. Trotz des Vorsatzes, auf die Bescherung zu verzichten, gibt es trotzdem eine, dann gehen wir ins Restaurant und genießen ein vorzügliches Festmahl. Am ersten Weihnachtstag fahren wir zu einem Flusslauf bei Taormina, hier soll es eine sehr schöne Schlucht geben. Das Wetter ist uns jetzt wieder wohlgesonnen, und wir unternehmen eine wunderschöne Wanderung entlang des Flusses. Unterwegs pflücken wir Mandarinen und Orangen, dabei erwische ich welche, die aromatischer als alle anderen Zitrusfrüchte sind, die ich bis dahin gegessen hatte. Es gibt in der Nähe einen Naturpark, der den eigentlichen Canyon umschließt, der Eintrittspreis ist uns aber zu hoch. Wir fahren weiter zu dem Ort am Ätna, wo wir zuletzt mit den anderen Campern unterwegs waren, sodass Eva und Ands auch in den Genuss der einzigartigen Vulkanlandschaft kommen. Allein die Fahrt dorthin ist atemberaubend schön. Am nächsten Abend, auf dem Weg nach Catania, verbringen wir eine Nacht auf einem Campingplatz, weil das allgemeine Duschbedürftnis mittlerweile ein kritisches Niveau erreicht hat. Leider schlafe ich schlecht, weil scheinbar alle angrenzenden Grundstücke Hundezwinger zu beherbergen scheinen, sodass ich den Stadtspaziergang durch Catania am nächsten Tag auslasse und im Auto einen ausgedehnten Nachmittagsschlaf halte, während der Rest der Bande die Stadt besichtigt. Weil es da so schön war, übernachten wir in Brucoli an unserem bewährten Stellplatz. Weiter geht die wilde Fahrt zur Necropolis Pantalica. Eine beeindruckende Landschaft, in deren weiches Gestein die Menschen seit ewigen Zeiten Höhlen hineinschlagen, um sie, von Epoche zu Epoche unterschiedlich, als Wohnraum oder Grabstätte zu nutzen. Kletternd erforschen wir die alten Höhlen, ein großer Spaß. Um Syrakus zu besichtigen, lassen wir den Iveco mit den Hunden darin stehen, und fahren mit dem wegen seiner vergleichsweise geringen Größe als Babybus getauften T5 dorthin, ein hübsches Städtchen. Auch die an diesem Tag letzte verfügbare Führung durch die Katakomben nehmen wir noch mit. Auf dem Rückweg gönnen wir uns eine leckere Pizza in der Pizzeria Romantica. Der Laden ist unbeheizt und damit wirklich kalt an diesem Abend, aber die Pizza und die herzlichen dort arbeitenden Menschen machen das mehr als Wett. Als Ands ein „Agua Firenze“ anstatt „frizzante“ bestellt, hat uns die Chefin schon ins Herz geschlossen. Auf dem Weg über die schmale Straße zurück zum „großen“ Bus beginnt es dicke Flocken zu schneien. Kurz darauf ist die Straße komplett zugeschneit. Wegen meines mangelnden Vertrauens in den Frontantrieb des VW wird die Fahrt für mich zum Höllenritt, aber Ands Schwarzwalderfahrung macht sich bezahlt und wir kommen wohlbehalten an. Am nächsten Morgen ist der Schnee wieder verschwunden. Der Ort eignet sich gut, um den Silvesterabend zu verbringen, weil wenig potentielle Böllereien drohen, der einsamen Lage sei Dank. Wir kochen lecker Veggieburger und trinken Sektchen. Neues Jahr, beide Männer leider schwer verkatert. In Kolonne, der Babybus hinter uns wie ein kleines Gänschen, fahren wir an unseren Platz bei Giardini Naxos, es ist warm genug, dass Ands und ich ein Bad im Meer nehmen. Weil es einfach immer geht, gehen wir am Abend in Naxos Pizza essen. Am 2. Januar geht der Babybus wieder auf große Fahrt, die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Weil Eva bald Geburtstag hat und Ina mit ihr feiern will, bleiben Rumo und ich zu zweit alleine zurück. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, das Gefühl, so alleine in der Fremde zu sein, ist für mich neu und irgendwie beängstigend.


Catania

Nach dem Schock ob der geklauten Räder wollen wir wieder weg vom Ätna ans Meer und ins Warme. Wir fahren über die Autobahn nach Brucoli, südlich von Catania. Hier erhoffen wir uns einen Stellplatz, der im Internet von anderen CampingbusnutzerInnen hoch gelobt wird, leider stellt sich vor Ort heraus, dass er mit einer Kette und durch Abladen von Bauschutt unbrauchbar gemacht worden ist. Wir parken in der Nähe an einem kleinen, malerischen Hafen. Direkt spricht mich ein Wächter an, ob wir hier übernachten wollen, er spricht kaum Englisch und ich verstehe nicht, was er mitteilen will. Ich winke Ina aus dem Fahrerhäuschen. Kaum steht sie dabei, entspannt sich der Mann und bedeutet uns, dass wir an der Stelle stehen bleiben können. Am nächsten morgen herrscht rege Aktivität im Hafen, bestimmt 30-40 Mann sind im Einsatz, Gabelstapler piepen beim Rückwärtsfahren, Autos werden ein- und ausgeparkt. Wir gehen durch das kleine Städtchen und trinken ein Bier in einer kleinen Bar, die scheinbar die ganze Ortschaft mit vorgekochtem Essen versorgt. Am den anderen Tischen sitzt eine Gruppe junger Frauen, die erste die wir wahrnehmen, sonst sind Frauen nur in Begleitung ihrer Männer in Bars zu sehen. (Erklärung für nicht-Italienreisende: Eine Bar ist in Italien anders als in Deutschland schon morgens geöffnet, es gibt Kaffee und Frühstück, aber auch alkoholische Getränke.) An einem anderen Tisch sitzt ein echter Vorzeige-Brite, der schon Mittags Whisky trinkt, sich mit seiner Begleiterin unterhält und Kette raucht. Wir gehen am Meer entlang, bis wir einen älteren Franzosen auf einem Klappstuhl vor seinem riesigen Wohnmobil sitzen sehen, der mich sofort in ein Gespräch verwickelt. Er lädt uns ein, neben ihm zu parken, er komme schon seit elf Jahren nach Sizilien, er kenne alle, er könne uns Adressen geben, Stellplätze empfehlen. Er heißt Jean-Marie und ist pensionierter KFZ-Mechaniker. Wir entschließen uns, dorthin umzuparken. Am nächsten Tag gehen wir am Meer entlang, die Küste ist mit vor allem leer stehenden, eher wie Feriendomizile wirkenden Gebäuden verbaut, nur ein kleiner Streifen Strand bleibt uns, um uns an ihnen vorbeizudrücken. Danach schlafen wir schon Nachmittags ein.
Am folgenden Tag hat Ina Geburtstag, und weil ein Geburtstagskuchen nicht fehlen darf, gibt es zum Frühstück Pfannkuchen mit Erdnussbutter, Nutella und Banane. Und zum Abendessen holen wir uns Pizza und Bier und schauen, im Bett eingekuschelt, einen Film. Runde Sache.

Weil wir uns Fahrräder besorgen wollen, fahren wir nach Catania. Unser Schlafplatz ist der Parkplatz des Porta Catania, ein elefantöses Einkaufszentrum mit 150 Geschäften. Von Weihnachtsliedern aus den Lautsprechern beschallt und umströmt von den Menschen, die sich dem Weihnachteinkauf hingeben wundern wir uns, wie sich hier jemand aufhalten kann, ohne es ironisch zu meinen. Wir rüsten uns mit Abendessen im Iperstore aus, kochen zu Abend und lassen uns dann sanft von den über uns startenden Jets vom nahe gelegenen Flughafen in den Schlaf dröhnen.
Zwei der von uns kontaktierten Menschen beim italienischen Äquivalent zu Ebay Kleinanzeigen, subito.it, haben sich zurückgemeldet. Wir parken den Wagen zentrumsnah. Wir treffen uns in einem Park mit dem Verkäufer, er lässt sich von 100 auf 80 Euro runterhandeln, als ich ihn auf das unrund laufende Steuerlager hinweise. Ich habe vergessen, Werkzeug mitzubringen, weshalb ich nicht prüfen kann, ob sich die Sattelstütze bewegen lässt, aber das Rad sieht aus, als hätte es die letzten 20 Jahre in einer Garage verbracht, also kaufen wir das Gerät. Zurück am Auto stellt sich heraus: Die Sattelstütze ist natürlich festkorridiert. Weil aufgeben keine Option ist, gehen wir weiter zum zweiten Verkäufer: Beide Räder, die er uns zeigt, sind kompletter Schrott, da hilft auch der geringe Kaufpreis von 50 Euro nicht weiter. Ich hatte um die Ecke einen Fahrradladen bemerkt, also gehen wir dort mit dem einen Fahrrad hin, das wir jetzt schon besitzen. Wir haben Glück: Die Frau am Tresen spricht Englisch. Der Mechaniker versucht, die Sattelstütze mit Kriechöl, klopfen und gut zureden zu lösen, ich brauche eine Weile,ihn zu überzeugen, die Sattelstütze im Schraubstock einzuspannen und das Fahrrad als Hebel zu benutzen. Funktioniert. Weil es gerade so schön ist, zeigt uns der Mechaniker, was er noch an alten Rädern im Hinterzimmer stehen hat, ein altersschwaches, zum Singlespeed umgebautes knarzendes Rad wechselt für 60 € mit noch geschwind eingestelltem Innenlager und neuer Kette den Besitzer.
Glücklich über diesen Erfolg unternehmen wir einen langen Spaziergang durch Catania, was eine wirklich schöne Stadt ist.

Ätna

Wir bleiben länger als gedacht in Venetico Marina. Einen Tag verbringen wir mit einem Ausflug mit dem Rad nach Milazzo. Zwei Menschen auf Rädern mit Alltagsausstattung und Hundeanhänger scheinen kein alltäglicher Anblick zu sein, den verwunderten, entgeisterten oder amüsierten Gesichtsausdrücken der Menschen in entgegenkommenden Fahrzeugen nach zu urteilen. Die Tage gehen geruhsam ins Land, wir kaufen Gemüse und Obst an kleinen Ständen am Straßenrand, kochen uns leckeres Essen, trinken Kaffee und futtern Dolci bis zum abwinken.
Am 05.12.19 fahren wir weiter, nächster Stop ist in Taormina. Eine Pizzeria in Freiburg ist nach der Stadt benannt, die leckere Pizza macht. Leider ist die Stadt völlig überladen mit Läden, die billige Souveniers aus Plastik an Touristen verhökern wollen, und das alte Amphitheater, das es zu besichtigen gibt, kostet 12 € Eintritt(!). Also besichtigen wir nur den Stadtgarten, der sich allerdings als sehr hübsch herausstellt, und fahren dann weiter an den Fuß des Ätna, um am nächsten Tag dort wandern zu gehen.
Wir stellen uns an den Straßenrand gegenüber einer öffentlichen Wasserstelle, an der das ganze Dorf seine Trinkwasservorräte zu beziehen scheint. Im fünf-Minuten-Takt halten Autos.
Am folgenden Morgen brechen wir mit den Rädern auf, um die zu gehende Strecke etwas zu verkürzen. Die Räder lassen wir an einem Baum am Straßenrand zurück, als der Weg zu steil zu werden beginnt. Ab hier führt uns ein Weg durch einen wunderschönen Wald, der von vulkanischen Gesteinsbrocken durchzogen ist, mit kleinen steinernen Mäuerchen unterteilt ist und von frei umherstreifenden Schweinen in allen Formen und Farben bewohnt wird. Hörbar schnüffelnd nehmen sie uns wahr, schauen uns kurz still an und laufen dann in der Gruppe durch den Wald davon. Bestimmt 30 Schweine sehen wir unterwegs. An einer Schutzhütte, die eigentlich unser Zielpunkt sein sollte, treffen wir auf einen jungen Mann, der erzählt, er sei aus der Gegend, wohne aber jetzt in der Schweiz. Er sagt uns, dass sich in einer halben Stunde bergauf ein kaltes Lavafeld befindet. Dorthin gehen wir nach erfolgtem verspeisen von Brot, Käse und eingelegten gegrillten Paprika. Es ist wirklich beeindruckend, meterhoch ist die kalte Lava aufgeschichtet, und bildet eine einzigartige Struktur aus Gräben und Hügelchen. Das Gestein ist schwarz, porös und erstreckt sich scheinbar kilometerweit. Nichts wächst hier oder regt sich, es herrscht absolute Stille. Während die untergehende Sonne das Herbstlaub an den Bäumen zum leuchten bringt, gehen wir bergab.
Ina klagt über Knieschmerzen, und dann erleben wir eine unangenehme Überraschung: Unsere Fahrräder sind weg. Nach dreifacher Prüfung, ob wir nicht an der falschen Stelle suchen, steht es fest: Wir sind beklaut worden. An einer Piste, die am Tag von vielleicht fünf Fahrzeugen befahren wird. Völlig konsterniert gehen wir zum Auto zurück und steuern die nächste Polizeiwache an. Die hat aber schon Dienstschluss, und da es vermutlich sowieso zwecklos ist, geklaute Fahrräder zu melden, wünschen wir dem Dieb, er möge Juckreiz an Stellen kriegen, an denen er nicht kratzen kann, und fahren weiter.

Venetico Marina

Angekommen auf Sizilien. Die App zur Stellplatzsuche dirigiert uns zielsicher an einen völlig vermüllten Platz hinter einer Baufirma, an dem auch schon ein traditionelles Feuer aus Bauabfällen und Kunststoffverpackungen entzündet worden ist, weil wir aber völlig fertig sind, schlafen wir trotzdem dort. Einen umso schöneren Platz finden wir am nächsten Tag in Venetico Marina. Hier parken wir den Wagen unter Palmen, die in hängemattentauglichen Abständen zueinander stehen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Supermarkt (mit Toiletten), zwei Munuten zu Fuß entfernt ist eine Bar/Pasticcheria/Gelateria mit soliden Preisen, (Espresso 0,80€ Cappuccino 1,20€ Bier 0,33l 1,70€), sympatischer Bedienung und kostenloses, mäßig schnelles, aber stabiles Wlan, und in 30m Entfernung ist ein Wasserhahn mit gutem Durchsatz. Ein echtes Schwarzcamperparadies! Von hier aus unternehme ich, Felix, nach Ewigkeiten eine einstündige Trainingsfahrt mit dem Rad auf der Küstenstraße. Das mitschwimmen im dichten Verkehr hält den Adrenalinpegel im optimalen Bereich, und meine Lunge fliegt fast raus. Gründe sind schlechter Trainingszustand, Dieselabgase und ortsübliche Müllfeuer unweit der Piste. Ein kurzes Bad im Meer und Artischocken mit Joghurtdip zum Abendbrot machen den Tag rund. Am nächsten morgen haben wir ein sehr schönes Erlebnis: Ein älteres Ehepaar, dessen Hund von unserem angeknurrt wird, nimmt uns spontan mit in die nächste Bar, zeigt Fotos von den Kindern, den Hunden der Kinder, den Kindern der Kinder und lädt uns auf ein sizilianisches Frühstück ein, Granita mit Brioche. Granita ist ähnlich wie Slushies, in unserem Fall aus Kaffee, mit einer dicken, festen gekühlten Sahnehaube obendrauf, in das man dann eben die Brioche, (für die ganz deutschen: Milchbrötchen) eintaucht. Ein für die klassisch deutschen Herzhaft-frühstückerInnen ein ungewöhnliches, aber echt sauleckeres Konzept. Zum Abschied stellt uns der Mann, leider versäumen wir es, nach den Namen der beiden zu fragen, ein Paket mit genug Dolci für die nächsten zwei Wochen auf den Tisch. Danke, unbekanntes fremdes Pärchen, für die Leckereien

Pollino Nationalpark

Zur Abwechslung fahren wir am 20.11.19 wieder in die Berge. Der Bildungsbürger in Felix freut sich über die Infotafel an unserem leider nicht ganz ebenen Parkplatz: Unweit von uns befindet sich der älteste lebendige Organismus Europas, eine Pollino-Pinie. Ca 1300 Jahre alt. Es ist arschkalt hier oben, ohne Ventilator zur Verteilung der warmen Luft wird es im Auto nicht vernünftig warm. Am nächsten morgen, naja, nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, also so um ungefähr halb 12, brechen wir zu einer kleinen Wanderung auf den Monte Pollino auf. Die Strecke bis zum Startpunkt des Wanderweges legen wir mit dem Rad zurück, der Hund rennt nebenher, mit wie immer beeindruckender Geschwindigkeit. Bemerkenswert, was er aus den paar Krümeln Hundefutter am Tag so rausholt. Die schmale Straße schlängelt sich durch eine wunderschöne Landschaft aus Weideflächen und von kleinen Buchen dicht bewachsenem Wald. Der Boden ist von einer geschlossenen rotbraunen Fläche aus Laub bedeckt. Ungefähr eine halbe Stunde, nachdem wir damit begonnen haben, dem Himmel im 45°- Winkel entgegenzukeuchen, werden die ersten mit Schnee bedeckten Flächen sichtbar. Die Vegetation wird kärger und kärger, irgendwann sind wir dem brausenden Wind schutzlos augeliefert und sinken bei jedem Schritt bis an die Waden in den Schnee. Der dann auch anfängt, von schräg oben auf uns herunterzurieseln. Oben gibt es nur ein Selfie und einen schnellen Gipfelkeks aus Sapri, dann steigen wir wieder ab. Auf dem Rückweg fragt uns ein junger Mann in einem weißen Pick-up, ob wir seinen Hund gesehen hätten. Haben wir leider nicht. Die Pfannkuchen zum Abendbrot schmecken hervorragend, wenn sie auch wegen der Schieflage des Iveco ungleichmäßig dick sind. Am nächsten Tag machen wir nochmal eine kleine Wanderung, diesmal viel gemütlicher und mit weniger Höhenmetern und fast ohne Schnee. Schön, aber unspektakulär. Wir übernachten noch einmal am selben Platz, der weiße Pick-up fährt noch zwei mal an uns vorbei. Hoffentlich geht es Hundi gut ;_;

Die folgenden drei Tage fahren wir mit Zwischenstopps in Pizzo und Tropea, jeweils hübsche Örtchen an der Küste, nach Villa San Giovanni, wo uns eine Fähre in ca einer halben Stunde nach Messina über die Meerenge fährt. Wir sind beide erstaunt, wie nah Sizilien am Festland liegt, mit ein bisschen Geduld und Spucke könnte man sicherlich auch rüberschwimmen.

Sapri

Wir verlassen den Nationalpark Cilento und damit die Berge wieder. Spontan halten wir an einem Parkplatz, der eigentlich zu einer Strandbar gehört, zum übernachten an. Vorher waren wir an einem eigentlich schönen Platz doch nicht geblieben, weil wir dort vom Wind durchgeschüttelt worden wären. Das Wetter ist ungemütlich, und ein Regentag vergeht wie im Flug mit Lesen, Schlafen und Essen. Zum Glück hatten wir genug Feuerholz gesammelt, um es warm und gemütlich zu haben. Wir stellen fest, dass ein Scheinwerfer unseres Autos nicht funktioniert. Als wir an einer Werkstatt halten, staunt Felix Bauklötze: Auf einer Tafel ist der Preis für die Werkstattstunde zu lesen: 25€. Da macht ein deutscher Handwerker schon minus, wenn er kurz darüber lacht.
Als wir weiterfahren und in Sapri auf einem großen, ruhigen Parkplatz landen, begrüßt uns der Sonnenschein. Wir spazieren auf einm Weg entlang der Küste, wo wir Eidechsen, duftende Blumen, uns unbekannte Pflanzen, Agaven (Felix: Wow, schau mal die Kakteen! Ina: Das sind keine Kakteen, das sind Kürbisse!), eine Schlange und das Meer in allen Blautönen bewundern. Sapri stellt sich als ein sehr angenehmer Ort heraus. Jede Menge schöne kleine Geschäfte, Bars und Restaurants, gut gelaunte Menschen und reger Betrieb. Einige andere Orte wirken eher verwahrlost, ärmlich und übellaunig, Sapri hält deutlich dagegen. Wir gehen in den Gassen der Innenstadt spazieren und durchkreuzen das „Villenviertel“ am Hang mit dem Fahrrad, circa jedes vierte Gebäude ist eine Bauruine. Wir treffen ein paar Katzen, Hunde, Schweine und TruthähnInnen. Hier in Sapri gehen wir auch mal wieder Pizza essen, das Nord-Süd-Gefälle der Wirtschaft Italiens schlägt sich auch im Pizzapreis deutlich nieder: 7€ ist die teuerste Pizza auf der Karte. Unsere Pizzen schmecken gar vorzüglich.
Bevor wir weiterfahren, kaufen wir einen Vorrat an Cantuccini in einer Pasticcheria, Holzlack und ein Beil in einem sympatisch überfrachteten Eisenwaren- Bau- Angel- und Marinebedarfsgeschäft.

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